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Digitale Angriffsfläche in der E-Mobility: Schutzkonzepte für Betreiber

Je dichter das Ladesäulennetz, desto größer die Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Stormshield erläutert, wie sich Ladestationen gezielt absichern lassen.

Paris | Moderne Ladesäulen sind längst Teil vernetzter Systeme, die permanent mit Backend-Diensten, Abrechnungssystemen und mobilen Anwendungen kommunizieren. Die umfassende digitale Vernetzung macht Ladestationen zu einer kritischen Schnittstelle zwischen OT- und IT-Welt, wodurch sie verstärkt ins Visier von Cyberkriminellen geraten. Angriffe auf Ladevorgänge, Manipulation von Abrechnungsprozessen oder ein Eindringen in angebundene IT-Netze gehören mittlerweile zu den realistischen Bedrohungsszenarien.

Besonders problematisch ist dabei die physische Zugänglichkeit der Installationen im Außenbereich. Viele Komponenten – von Kommunikationsmodulen bis zu Steuerungseinheiten – befinden sich in frei zugänglichen Gehäusen, die sich mit vergleichsweise geringem Aufwand manipulieren lassen. Damit wird es für Angreifer möglich, Ladevorgänge zu sabotieren, Zahlungsprozesse zu beeinflussen oder sich über einen kompromittierten Ladepunkt Zugang zu übergeordneten Systemen zu verschaffen. Die Gefahr von Man-in-the-Middle-Attacken, unterbrochenen Lade-Sessions oder gar Auswirkungen auf die Stabilität des Stromnetzes ist konkret und nimmt mit der Verdichtung des Ladenetzes weiter zu.

Best Practice aus Frankreich: Wie ein Betreiber seine Infrastruktur härtete

Wie sich diese Risiken durch industrietaugliche Cybersecurity eindämmen lassen, zeigt ein aktuelles Projekt eines großen französischen Betreibers öffentlicher Ladeinfrastruktur. Beim Ausbau seines urbanen und Autobahn-nahen Ladenetzes entschied sich das Unternehmen für eine mehrschichtige Sicherheitsarchitektur, die sowohl industriellen Umweltbedingungen als auch regulatorischen Anforderungen für kritische Infrastrukturen standhält. Ein Ansatz, der exemplarisch demonstriert, wie eine moderne Ladeinfrastruktur widerstandsfähig gestaltet werden kann.

Klare Anforderungen an die Sicherheit

Für seinen jüngsten Roll-out – darunter zehn neue Schnellladestationen entlang wichtiger Autobahnachsen und zahlreiche zusätzliche Standorte im Großraum Paris – definierte der Betreiber klare Vorgaben: Der gesamte Datenverkehr zwischen Ladepunkten, Backend-Systemen und Cloud-Anwendungen sollte manipulationssicher sein. Zusätzlich mussten Remote-Funktionen zuverlässig vor unbefugtem Zugriff geschützt werden. Ein besonderes Augenmerk galt Angriffen, die Kommunikationsverbindungen abfangen oder verfälschen könnten.

Mehrschichtige Sicherheit als Schutzschild

Für die technische Umsetzung wählte der Betreiber einen zweistufigen Ansatz und setzte auf Lösungen des europäischen Cybersicherheitsanbieters Stormshield: robuste Industrie-Firewalls an den Standorten und eine virtuelle Sicherheitsplattform im Backend.

Die Ladesäulen selbst wurden mit Stormshields SNi20-Firewalls ausgestattet – industrietauglichen Geräten, die speziell für raue Umgebungsbedingungen wie hohe Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit entwickelt wurden. Ihr DIN-Schienen-Formfaktor ermöglichte eine platzsparende Integration in die Außenschaltschränke der Ladestationen.

Die SNi20-Firewalls übernehmen die sichere Verschlüsselung des Datenverkehrs über IPSec-VPN-Tunnel, schützen die bidirektionale Kommunikation und sichern alle Fernwartungs- und Steuerungszugriffe ab. Ergänzt wird dies durch Multi-Faktor-Authentifizierung auf Basis zeitbasierter Einmalpasswörter (TOTP). Gerade für Betreiber, die mehrere geografisch weit verteilte Ladepunkte verwalten, ist diese Kombination aus starker Identitätsprüfung und sicherem Fernzugriff essenziell.

Gesicherte Cloud-Services als zweite Verteidigungslinie

Auf der Backend-Seite implementierte der Betreiber eine virtuelle Stormshield-Appliance (EVA) als zusätzliche Schutzschicht. Sie regelt den Zugriff auf mobile Anwendungen, Abrechnungs- und Payment-Plattformen, die in einer Cloud-Umgebung gehostet werden. Besonders der Verkehr städtischer Ladestandorte, der über eine private 4G-Verbindung übertragen wird, gewinnt dadurch an Sicherheit. Die virtuelle Appliance dient als Firewall, Segmentierungsinstanz und Policy-Engine zugleich.

Segmentierung gegen Kettenreaktionen

Ein zentrales Element der Architektur ist die klare Netzwerksegmentierung: Jeder Ladebereich wurde in ein eigenes VLAN eingebettet. Dadurch bleibt ein möglicher Cyberangriff lokal begrenzt – ein kompromittierter Standort kann nicht als Brücke dienen, um weitere Ladepunkte oder zentrale Anwendungen zu infiltrieren. Gerade bei verteilten Infrastrukturen ist diese Isolation ein entscheidender Baustein, um großflächige Kompromittierungen zu verhindern.

Fazit: Eine Architektur mit Modellcharakter

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie eine moderne Ladeinfrastruktur abgesichert werden kann, ohne operative Abläufe einzuschränken. Der mehrschichtige Ansatz kombiniert robuste Industrie-Hardware, eine starke Authentifizierung, eine verschlüsselte Kommunikation, Cloud-Security und eine konsequente Segmentierung. Für Betreiber, die ihre Systeme zukunftssicher gestalten wollen, liefert dieser Ansatz eine belastbare Blaupause. Denn Cybersicherheit ist in der E-Mobilität kein optionales Add-on, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor.

 

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